Bild: Wetterfahne

Andreasgemeinde Kiel-Wellingdorf

Ein Weg mit Gott


70 Jahre – eine lange Zeit! Man schaut zurück auf ein ganzes Menschenleben. Wo kann ich die Spuren Gottes entdecken? Gott hat Begabungen geschenkt, aber man muss auch fleißig lernen und viel üben, um die Begabungen zu entfalten. Gott hat an manchen Stellen seine Hände schützend über einen gehalten und vor Unheil bewahrt. Wichtige Entscheidungen bewegen manche Menschen vor Gott und fragen sich, was wohl sein Wille ist für ihr Leben. So ein Rückblick lässt einen dankbar werden; aber an manchen Stellen bleiben auch Fragen offen. Wir führen unser Leben in Verantwortung vor Gott.

Am 14. Mai 1948, vor 70 Jahren, wurde der Staat Israel gegründet. Es ist einzigartig in der Geschichte der Menschheit, dass ein Volk, das fast zwei Jahrtausende über den ganzen Globus verstreut war, sich wieder als ein eigener Staat zusammenfindet und dazu noch seine alte Sprache Hebräisch wiederbelebt. In diesen 70 Jahren ist der Staat Israel mit vielen Problemen konfrontiert worden: Wie integriert man Millionen von Einwanderern aus unterschiedlichen Staaten und Kulturen wie der Sowjetunion, Marokko, Rumänien, Nordamerika, Äthiopien, Irak und Polen? Wie geht man mit dem Hass auf den Staat Israel um, insbesondere aus den umliegenden arabischen Staaten? Wie reagiert man angemessen auf die Bedrohung durch Terroranschläge im Land? Wie kann das Zusammenleben mit den Palästinensern gestaltet werden? Der Staat Israel lebt keinen Tag ohne äußere Bedrohung. Das Volk Israel muss Antworten finden auf viele ungelöste Konflikte.

Die Juden sind Gottes auserwähltes Volk. Das war in der Zeit des Alten Testamentes so und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das heißt nicht automatisch, dass alle Entscheidungen der iraelischen Regierung immer richtig sind. Das Alte Testament berichtet uns nicht von den Juden als Musterschüler Gottes. Uns wird ein kleines, unbedeutendes Volk gezeigt, mit dem Gott einen Bund geschlossen hat für die Ewigkeit. Doch das Volk Israel wandte sich immer wieder von Gott ab und missachtete seinen Willen. An diesem Volk Israel zeigt Gott, was für ein Gott er ist: ein Gott, der die Menschen immer wieder zu sich zurückruft; ein Gott, der die Kleinen und Unbedeutenden nicht übersieht; ein Gott, der auf der Seite der Entrechteten und Unterdrückten steht; ein Gott, der herausruft aus dem Alltag in die Beziehung zu ihm; ein Gott, der diejenigen segnet, die nach seinem Willen fragen und nach seinem Willen leben.

In diesem Volk Israel wurde Gottes Sohn, Jesus Christus, der Erlöser der Welt geboren. Seine Vergebung brauchen wir Tag für Tag und besonders für das, was unser Volk den Juden angetan hat. Gott hat Juden und Christen beauftragt, Licht der Völker zu sein und den Segen Abrahams an alle Generationen der Menschheit weiterzugeben. Am 5. August 2018 feiern wir den Israel-Sonntag. Da denken wir im Gottesdienst besonders über das Verhältnis von Juden und Christen nach und über Gottes Verheißungen für die Menschen. Wir laden Sie jetzt schon herzlich zu diesem Gottesdienst ein.


Ihre Pastorin Margret Laudan


700 Jahre Wellingdorf
Gottes Barmherzigkeit hat kein Ende

Vor 700 Jahren wurde Wellingdorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Da gab es schon eine Kirche in Ellerbek, dort wo früher nach der alten Straßenführung die Minnastraße in den Klausdorfer Weg mündete. Von 1327 bis 1896 gingen die Christen in die Maria-Magdalenen-Kirche nach Elmschenhagen in den Gottesdienst. Am 16.8.1896 wurde für die Dörfer Ellerbek und Wellingdorf eine Kirche in der Friedenstraße eingeweiht, die 1917 zum Reformationsjubiläum den Namen „Bugenhagenkirche“ erhielt. Im Krieg wurde diese Kirche 1941 abgerissen. Die Christen trafen sich im Gemeindehaus in der Wahlestraße 25, und nachdem dieses Haus durch Bomben zerstört wurde im Wohnzimmer des angemieteten Pastorates im Wehdenweg 65.


Schweizer Christen spendeten eine Holzkirche, die in der Schönberger Straße 41-45 ihren Platz bekam (wo heute der Parkplatz von Netto sich befindet). In dieser Holzkirche fanden von 1948 – 1962 die Gottesdienste für die Stadtteile Wellingdorf, Ellerbek und Neumühlen-Dietrichsdorf statt. Am 6.3.1965 wurde dann die Andreaskirche in der Wischhofstraße geweiht. Sie bildet seitdem den Mittelpunkt für die Christen in unserem Stadtteil.


Wellingdorf war über Jahrhunderte ein Bauerndorf. Kleine Höfe betrieben zusätzlich einen kleinen Handwerksbetrieb, z.B. Fährbootsbesitzer, Grobschmied, Böttcher, Bleicher, Grützmüller, Zimmergeselle oder Schuster. Vor etwa 200 Jahren gab es im Dorf eine Volksschule mit 70 Kindern. 1910 wurde Wellingdorf eingemeindet und gehört seitdem zur Stadt Kiel.

Vieles hat sich verändert in Wellingdorf: aus einem Dorf wurde ein Stadtteil, die alten Gebäude wurden im Krieg zerstört oder mussten neuen weichen. Anstelle von Bauern und Handwerkern wohnen und arbeiten Mitarbeiter der Howaldtswerke-Deutsche Werft hier. Selbst der kirchliche Mittelpunkt hat sich immer wieder verlagert: vom Klausdorfer Weg nach Elmschenhagen, in die Friedenstraße, die Wahlestraße, den Wehdenweg, die Schönberger Straße und schließlich in unsere Andreaskirche in der Wischhofstraße.

Aber Gott ist treu! Gott wandelt sich nicht, dass wir ihn nicht mehr erkennen könnten. Seit Jahrhunderten hat er Menschen Hoffnung und Halt gegeben. Mose und dem Volk Israel hat Gott sich offenbart als „Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Güte“ (2. Mose 34,6). Daran haben sich auch die Israeliten erinnert nachdem sie von den Babyloniern besiegt und viele von ihnen in die Verbannung nach Babylon deportiert worden waren. Nachdem sie ihr Elend bejammert hatten erinnerten sie sich an Gottes Zusagen und Gottes Treue: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß“ (Klagelieder 3,22+23).

Gottes Treue gilt uns bis heute. Bei aller Veränderung erleben wir auch die unwandelbare Treue Gottes. Oft fällt uns das nicht auf, in der Natur zum Beispiel. Die Jahreszeiten folgen einander, Regen und Sonne wechseln sich ab. Erst bei großen Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Zunamis kommt es uns wieder zum Bewusstsein, dass die Abläufe in der Natur nicht selbstverständlich und doch so essentiell sind für unser tägliches Leben. Genauso brauchen Menschen Orientierung, Perspektive und Hoffnung für ihr Leben, damit sie sich entfalten und ihre Gaben in der Gesellschaft einsetzen können.

Und ganz besonders leben wir im Glauben von Gottes Treue und Barmherzigkeit. Wir müssen nicht Gott durch einen anständigen Lebenswandel überzeugen, dass wir mit ihm Gemeinschaft haben dürften. Wir müssen nicht erst „richtig“ beten, damit Gott uns hört. Unser Glaube wird gehalten von Gottes Treue und Barmherzigkeit. Gott hält uns fest, wir müssen uns nicht krampfhaft an ihm festhalten. Selbst wenn wir Gott mal losgelassen haben und unsere eigenen Wege gegangen sind, dürfen wir zu ihm zurückkehren. Seine Vergebung erneuert unsere Gottesbeziehung.

Es lohnt sich, den Blick von den alltäglichen Kümmernissen weg auf Gott zu wenden. Es tut gut, sich an die Erfahrungen von Gottes Treue in unserem Leben zu erinnern. In unserem Stadtteil Wellingdorf können wir neben schweren Erfahrungen und Leid auch Bewahrung, Entfaltung und Segen entdecken. Dabei prägt uns unsere Blickrichtung. Wer nur auf Leid und Benachteiligung schaut, wird niedergeschlagen und hoffnungslos. Wer aber auf Gott vertraut, wer mit Gottes Eingreifen rechnet, der schaut erwartungsvoll in die Zukunft und öffnet sich den Möglichkeiten des Lebens. Dazu ermutigt uns der Glaube an den lebendigen Gott.

So lassen Sie uns mit einem Kirchenlied aus dem 17. Jahrhundert unser Vertrauen auch weiterhin in Gott setzen:
Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen
über alles Geld und Gut.
Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet
einen freuen Heldenmut.
Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret,
ist und bleibet ewig mein.
Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret,
wird forthin mein Helfer sein.
Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken,
wenn es meinem Gott gefällt.
Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben
und ihm alles heimgestellt.

Pastorin Margret Laudan


Beim Stadtteilfest 2017 wurde an der Ecke Wischhofstraße/ Schönberger Straße (da wo früher die Shell-Tankstelle war) ein von Pastor i.R. Gottfried Christopher Hesse gestifteter Stein mit der Inschrift:
700 Jahre Wellingdorf
1315 – 2015
Gottes Barmherzigkeit hat noch kein Ende

von Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, Ortsbeiratsvorsitzendem Daniel Pollmann, MdL Bernd Heinemann und Pastor Hesse feierlich enthüllt.


Jahreslosung 2015 aus dem Römerbrief 15,7
„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“

Ja, das wünschen wir uns, dass wir angenommen und wertgeschätzt werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich Leben entfalten kann und ein Kind zu einer stabilen Persönlichkeit heranwächst. Aber es ist gar nicht so leicht, den anderen anzunehmen, wenn er anders ist als wir, wenn er andere Überzeugungen hat und andere Gewohnheiten pflegt. Manchmal scheint es, einander anzunehmen fällt umso schwerer, je näher wir einander stehen. Auch in der Kirchengemeinde treffen wir auf eine bunte Mischung unterschiedlichster Typen/ Charakteren. Wie kann ein gutes Miteinander gelingen? Wie nimmt man den anderen an, besonders den, der mir nicht liegt? Was hat Jesus Christus gemeint, wenn er von Annahme und Liebe untereinander sprach?
Zunächst einmal hat Jesus von dem gesprochen, wie Gott uns Menschen begegnet. Gott nimmt uns an, so wie wir sind. Keiner muss sich das Wohlwollen Gottes verdienen. Gott schenkt den Menschen seine Liebe frei und großzügig. Wer diese Zuwendung Gottes erfahren hat weiß, wie wohltuend das ist, wenn ich sein darf, wie ich bin. Ich muss keinem mehr etwas vormachen, nirgendwo etwas darstellen, was ich sowieso nicht bin. Befreit von der Last, irgendwelchen Ansprüchen zu genügen, kann ich nach dem fragen, was mir und was Jesus Christus wichtig ist. Es muss ja nicht alles so bleiben, wie es ist. Manches, was ich bei mir entdecke, schmerzt mich, manches wünschte ich mir anders. Darüber kann ich mich mit Gott unterhalten und dann beginnt ein spannender Weg.
Wer selber diese Annahme erfahren hat, wer selber mit sich zurande gekommen ist, dem fällt es leichter, auch andere Menschen anzunehmen, sie stehenzulassen wie sie sind. Das heißt ja nicht, dass ich alles für gut befinden muss, was sie tun und lassen. Bei manchem kann ich von Herzen zustimmen, bei anderen Angelegenheiten anderer Meinung sein, manchmal auch heftig debattieren. Doch die Achtung vor der Person soll erhalten bleiben, das heißt Annahme. Der andere ist von Gott genauso geliebt und gesucht, geachtet und gesegnet wie ich.
Es gilt also, den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht Erwartungen, Gebote oder Regeln. Das ist die gute Botschaft, die Jesus den Menschen brachte: Es kommt Gott auf dich an, auf deine Stärken und Schwächen, deine Sehnsüchte und Freuden. So hat er dich geschaffen, so hat er dich gewollt. Daraus kann er etwas Wundervolles machen zusammen mit dir. Annahme setzt Entwicklungspotential frei. So lasst uns das, was wir bei Gott erfahren, an andere weitergeben. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“ Möge Gott uns seine Kraft und Liebe und Ausdauer in diesem Jahr schenken, dass Menschen in unserer Kirchengemeinde erfahren, dass sie angenommen und geachtet sind und ihre Begabungen sich entfalten dürfen zur Ehre Gottes.

Ihre Pastorin Margret Laudan


Haben Sie heute schon jemanden gelobt?

Wir Menschen brauchen alle Lob und Ermutigung. Ich habe noch nie jemanden erlebt, dem wertschätzende Worte nicht gut täten. Leider sind wir viel schneller geneigt zu kritisieren und zu tadeln als zu loben.
Manche Menschen loben nicht, weil sie denken, dann könnte der Andere stolz werden. Doch ein Lob ermutigt in erster Linie, und Ermutigung brauchen wir alle. Ein Grund dafür, dass wir Mühe haben, andere zu loben, könnte darin liegen, dass wir auch Gott gegenüber sparsam sind mit Lob. Obwohl die Bibel voll vom Lobe Gottes ist, fällt es uns schwer, IHN oder auch andere zu loben. Unserem Stolz fällt es schwer, Lob gegenüber jemanden auszusprechen. Eine unserer Hauptaufgaben ist es, Gott mit Worten und Werken zu loben. Aber wir sollten auch nicht mit Lob gegenüber anderen sparen. Da können wir viel von Paulus lernen, der sehr häufig lobend von anderen Geschwistern redet (Römer 15, 14; 1. Thessalonicher 1, 6–7).
Wenn ich über die Größe Gottes staune, wenn ich Sehnsucht nach IHM habe, wenn ich freiwillig Zeit mit IHM verbringe, wenn ich über Wünsche, Ärger, Not und Sorgen offen mit IHM rede, wenn ich Trost, Sicherheit, Frieden und Freude in nicht veränderbaren Situationen erlebe, wenn ich mich an IHM freue, wenn ich morgens aufstehe und erlebe, wie er mir durch den Tag hilft, wenn ich letztendlich Gott, meinen Vater, immer besser kennen und lieben lerne, dann kommt Dank, Lob und Anbetung unabhängig von festgelegten Zeiten aus meinem Herzen.
Und dann gibt es auch Lebensumstände, in denen sind wir unfähig, Gott mit dankbaren Herzen zu begegnen. Es gibt Zeiten, da sind wir mit uns beschäftigt oder in den Situationen gefangen, dass Lob oder Dank in unseren Herzen nicht zu finden sind. Gott sei Dank bin ich in der Schule Gottes und darf selber lernen und üben. Es tut gut gelobt zu werden. Dem Anderen aufmunternd auf die Schulter klopfen, auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist, die positiven Seiten erwähnen, ihm einen Blickwechsel ermöglichen, das tut gut.
Das Dranbleiben und Durchhalten sollten wir durch Lob und Ermutigung fördern. Möge Gott es Ihnen schenken, dass Sie zu denen gehören, die dem Anderen Lob und Ermutigung zusprechen können.

Ihre Regina Liebig


  Andreasgemeinde Kiel-Wellingdorf