Bei einer Begegnung war ich sofort von seinem Hintergrund gefesselt: ein Amerikaner, der in Dietrichsdorf lebt (hier im Bild mit Familie), um hier als Christ auf unsere ausländischen (türkischen, kurdischen, arabischen) Mitbürger zuzugehen. Das ist so interessant, dass es eine Darstellung in unserem Gemeindebrief lohnt:
Herr Hinderliter, sagen Sie bitte etwas zu Ihrem Hintergrund!
Geboren und aufgewachsen bin ich in Oregon / USA, in einer christlichen Familie. Mit der „Operation Mobilisation“ (OM) war ich als junger Mann ein Jahr in Ägypten. Dort und auch später, als ich eine Zeitlang in Israel gelebt habe, hatte ich viel Kontakt mit Muslimen. Ich merkte, dass es meine Berufung ist, auf sie zuzugehen. – Ich habe eine Krankenpfleger- Ausbildung und habe 1988 angefangen, in einem Krankenhaus in Istanbul zu arbeiten. Dort war ich an der Gründung einer christlichen Gemeinde beteiligt. Eines Tages kam die Geheimpolizei dorthin und hat von allen die Daten aufgenommen. Danach hatten wir Schwierigkeiten mit der Aufenthaltsgenehmigung. Da meine Frau Deutsche ist und es hier mittlerweile über zwei Millionen Muslime gibt, lebe ich seit 1991 in Deutschland und seit sechs Jahren in Kiel-Dietrichsdorf.
Worin besteht Ihre Tätigkeit?
Am sichtbarsten ist unser Tisch mit Schriften und Filmen, den wir in der
warmen Jahreszeit an fast jedem Samstag von 9.30-12.30 Uhr in Gaarden,
in der Nähe des Vinetaplatzes aufgebaut haben. Es gibt da auch noch einen kleinen Bibelkreis und eine Reihe von Kontakten, die ich pflege.
Das Thema „Islam und Christentum“ ist ja sehr aktuell…
Das Thema „Islam“ wird uns noch lange begleiten. 5% der Bevölkerung in Deutschland sind islamisch – mit wachsender Tendenz. Das Wort Gottes kann in der Begegnung etwas in Bewegung bringen; es kann uns und es kann Muslime wirklich verändern.
Warum ist es denn so wichtig, dass Muslime den christlichen Glauben kennenlernen?
Im Islam gilt Jesus nur als ein Prophet, aber nicht als das lebendige Wort Gottes. Muslime glauben nicht an ihn als an ihren Heiland, der für sie am Kreuz gestorben ist – aber genau das ist es, was uns die Erlösung bringt. Muslime hoffen, dass ihre guten Werke sie retten. Aber unsere Errettung ist umsonst. Jeder Mensch braucht Jesus Christus! Die Bibel ist für alle da. Ich bin immer froh, wenn ich einmal einem Türken auf der Karte zeigen kann, wie viel der biblischen Geschichte auf türkischem Boden stattgefunden hat.
Wie sind Ihre Erfahrungen hier auf dem Kieler Ostufer?
Es herrscht hier in Deutschland unter Muslimen oft eine „Festungsmentalität“. Sie sehen die Probleme mit Alkohol, Drogen und in den Familien in diesem Land, das sie für christlich halten. Sie denken: „So sind die Christen.“ und schotten sich ab. Es gibt ja auch sehr viele Angebote auf türkisch, und zwischen Türken und Deutschen ist meist wenig Verbindung. Ein zusätzliches Problem sind Zeugen Jehovas und Mormonen, die Verwirrung über das Christentum verbreiten. In der Türkei war es einfacher, ins Gespräch zu kommen.
Was wünschen Sie sich persönlich von uns Christen hier in Kiel?
Ich wünsche mir, dass sie keine Angst haben, sondern auf Muslime zugehen. Wenn man freundlich ist, stößt man auch auf Offenheit. Man kann Muslime ruhig auf den Glauben hin ansprechen, das ist für sie nicht so eine private Sache wie für die Deutschen. Man muss dabei nicht alle Fragen über den christlichen Glauben beantworten können. Es gibt sehr gute christliche Literatur, die man weitergeben kann. – Ich würde mich sehr freuen, Sie einmal an unserem Schriftentisch in Gaarden begrüßen zu dürfen. Sprechen Sie uns an, denn dafür stehen wir da.
Das Gespräch führte Pastor Dr. Johannes Pörksen